Trauer und Yoga

Wenn die Zeit stehen bleibt

Trauer löst unterschiedliche Gefühle aus, wie Verlust oder die Angst vor der eigenen Endlichkeit, manchmal auch Schuldgefühle. Trauer ist so individuell wie wir es sind. Jeder Mensch reagiert bei jedem Verlust sehr individuell. Und da wir auch sehr unterschiedlich mit unseren Gefühlen umgehen, trauert jeder Mensch anders. Gefühle hinterlassen Spuren in unserem Körper. Die Reaktionen sind z.B. Steifigkeit oder Schmerzen, unser Körper schreit. Denn Schmerz ist der Ausdruck, die Sprache des Körpers. Erst wird geflüstert, ein kleines Ziehen hier, ein bisschen Druck dort. Vielleicht eine kleine Entzündung oder Schmerz ohne erkennbare, diagnostizierbare Ursache. Später wird unser Körper lauter.

 

Yoga ist die Reise des Selbst, durch sich selbst, zu sichselbst. So steht es in einem der ältesten Yogatexte, der Bhagavad Gita  (5.-2. Jh. v.Chr.). Es ist eine Chance durch weiche Bewegungen dem Körper und der Seele die Starre zu nehmen. Die Trauer, den Verlust in den Fluss des Lebens zu integrieren. Während der individuellen Yogaübungen beobachten wir uns selbst: Kann ich mich spüren? Wer ist noch da? Wo befindet sich mein Schmerz? Kann ich ihn in meinem

Körper wahrnehmen? Kann ich mich hinter dem Schmerz fühlen?

 

In den Yogahaltungen und Atemübungen beobachten wir

das Leben in uns. DieArbeit mit dem Körper kann helfen, sich aus der Versteinerung zu lösen und Linderung verschaffen. Um das Körper-Geist System wieder in Einklang zu bringen, um sich in seiner Mitte wiederzufinden, darum üben wir Yoga. Eine regelmäßig Übungspraxis kann zu einem Anker im Alltag werden, wenn wir schwimmen. Ein Termin mit uns selbst.

 

Das Üben der Körperhaltung führt zu neuem Vertrauen in unseren Körper und darüber wieder

Vertrauen in unser Leben zu finden. Der Fokus rückt vom Tod zum Leben, indem wir unseren

Atem in den Atemübungen beobachten und schulen. Durch Balancehaltungen einen Weg aus dem Ungleichgewicht finden, in das uns der Tod eines geliebten Menschen

geworfen hat.

 

Wenn die Zeit stehen bleibt und ich im Moment eingefroren bin.

Ich aufgehört habe zu leben, mit dem Fluss zu fließen. Ich verlassen wurde, zurückbleibe.

Ich erstarre. Und die Welt fließt weiter, lebtweiter.

 

Warum Du? Warum ich?

 

Ich bin starr und möchte wieder weich sein.Ich bin traurig und mein Kopf meint, es geht

nicht mehr weiter. Mein Körper ist weit weg,gehört nicht zu mir. Freude gehört den anderen.

Ich möchte etwas tun. Doch was? Das Leben hat mir die Fäden aus der Hand genommen.

Ohnmächtig bleibe ich zurück. Ich bin nicht mehr in der Lage mich zu fühlen. Vielleicht ist es besser nicht zu fühlen. Das was ich fühlen könnte, ist zu … .

 

Der Zustand bleibt auch wenn das Leben weitergeht. Ich funktioniere noch, oder doch nicht mehr?

Durch die intensive Arbeit mit sich selbst kann man sich selber sehen: Wer bin ich? Was

macht mein Leben lebenswert? Wenn mir das Leben alles genommen hat, wer bin ich ohne …

 

Mit Yoga können wir eigenverantwortlich etwas für unser Wohlbefinden tun. Den eigenen

Körper spüren bedeutet auch neues Fühlen, weg von Schmerz und Traurigkeit.

 

In den Kriegerhaltungen die eigene Kraft wieder spüren.

 

Die Aussichtslosigkeit verlassen und sich mit den rückbeugenden Haltungen wieder dem Leben öffnen, dem eng gewordenen Herzraum wieder Weite geben.

 

In den Vorbeugen Frieden finden und Entspannung und in der beobachtenden Geisteshaltung der Meditation den Abstand zu den Emotionen finden.

 

So unterschiedlich, wie Trauer auf uns wirkt, so unterschiedlich sind die Yoga-Übungen, die angewendet werden können. Im Yoga gibt es jahrtausendealte Techniken, um über unseren Körper auf unsere Gefühle Einfluss zu nehmen. Nehmen Sie sich Zeit für sich und für eine Veränderung.

 

Dieser Artikel ist 2017  in der Vereinschrift Memento erschienen

Trauernde Eltern & Kinder · Rhein-Main e.V.

 

Carl-Zeiss-Straße 32

55129 Mainz

 

06131 6172658

 

www.eltern-kinder-trauer.de

 

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